Der am 31. Mai 1925 geborene deutsche Architekt Frei Otto
zählt zweifelsfrei zu den herausragendsten
Baumeistern des 20. Jahrhunderts. Zu seinem 80. Geburtstag ehrte
in das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek
der Moderne mit einer umfassenden Retrospektive.
Frei Otto, der sich schon in seiner Jugend mit Flugzeugen
beschäftigt hatte, begann 1943 sein Architekturstudium an
der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Noch im selben
Jahr wurde er als Pilot eingesetzt und kam in französische
Kriegsgefangenschaft, wo er erstmals sein architektonisches
Talent beim Bau des Lagers unter Beweis stellen konnte. 1948
setzte er sein Studium fort und reiste zwei Jahre später
nach Amerika, wo er unter anderem die Bauten von Mies van der
Rohe, Richard Neutra und Frank Lloyd Wright in realiter
kennenlernte. 1954 erschien seine Dissertation über "Das
hängende Dach", das zum ersten Male die Bautechnik
zugbeanspruchter Flächentragwerke zusammenfassend darstellt.
EIn Jahr später findet sich mit dem Musikpavillon, einem
Vierpunktsegel, wohl das erste bedeutende Werk Ottos. Das
Institut für Leichte Flächentragwerke (IL) an der TU
Stuttgart, an dem auch das Modell für den deutschen Pavillon
auf der Weltausstellung in Montreal erarbeitet wurde, wurde 1964
gegründet. Otto zeichnete maßgeblich für die
Überdachung des Olympiastadions in München mit
verantwortlich.
Frei Ottos Bedeutung ist aus der Erfindung und Erforschung
leichter Flächentragwerke wie Membranen, Seilnetzen,
Gitterschalen und Pneus/Hydros begründet - minimale
Konstruktionen ohne Dekorum, die nur aus sich selbst sprechen.
Nach diesen zentralen Themen ist auch die Ausstellung gegliedert.
Eine eigene Abteilung widmet sich dem anpassungsfähigen,
ökologischen und biologischen Bauen, einem Thema, auf das
Frei Otto von Anfang an größten Wert gelegt hat. Neben
umfangreichen Originalzeichnungen Frei Ottos, die erstmals
ausgestellt werden, findet sich auch eine Filmvorführung
("Frei Otto - Von Seifenblasen und Zelten") sowie ein
Großmodell einer Gitterschale. Nicht ohne Ironie sind die
weißen Segel in der Rotunde der Pinakothek.
Der knapp 400 Seiten umfassende, von Prof. Winfried Nerdinger
herausgegebene Katalog "Frei Otto - Das Gesamtwerk" stellt erstmals alle Projekte und Bauten Frei Ottos umfassend dar.
Die Ausstellung fand vom 26. Mai bis zum 28. August 2005 im Architekturmuseum der TU München in der Münchner Pinakothek der Moderne statt.